Wer ist Bruder Klaus?

Teil 1 – Die Person

 

In diesem Jahr ist Bruder Klaus der Begleiter einer jeder Ausgabe von »Stefanus – aktiv in Kirche und Welt«. In den kommenden Ausgaben werden beispielsweise seine Beziehung mit Dorothea oder seine Begegnungen auf Augenhöhe mit jedem, der seinen Rat suchte, im Mittelpunkt stehen. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen die Person Bruder Klaus vor.

 

Zur Person

 

Bruder Klaus wurde 1417 als Niklaus von Flüe geboren. Schon im Jugendalter sind seine Frömmigkeit, seine Zurückgezogenheit und sein überlegtes Handeln auffällig. In seiner Heimatgemeinde Sachseln ist er bereits als junger Mann angesehen. Er übt verschiedene Ämter aus, unter anderem ist er im Gemeinderat, im Kantonsrat und später auch als Richter tätig. Ein Amt, das er mit Würde ausübt. Er erkennt aber auch, dass viele seiner Richterkollegen bestechlich sind. Niklaus von Flüe legt sein Richteramt nieder.

Niklaus von Flüe lebt in einer Zeit des Umbruchs: am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit. Es ist eine Zeit des Aufbruchs – aber auch der Kriege. Viele Male wird Niklaus in den Krieg beordert und nimmt dort verschiedene, wichtige Rollen ein. Er ist Soldat, Hauptmann und später Fähnrich. In diesen Kriegszeiten ist Niklaus oft viele Wochen, auch während er bereits verheiratet ist, von zu Hause, weg.

Mit 28 Jahren heiratet Niklaus von Flüe die sehr viel jüngere Tochter des Bürgermeisters aus dem nahegelegenen Ort Sarnen, Dorothea Wyss. Gemeinsam leben und wirtschaften sie auf ihrem Hof in Sachseln. Sie bekommen zehn Kinder – fünf Jungen und fünf Mädchen.

Doch trotz seines harmonischen Familienlebens, seiner erfolgreichen Arbeit auf dem Hof und in der Gemeinde, zieht sich Niklaus immer mehr aus der sozialen und politischen Verantwortung zurück. Er ringt mit sich selbst und der wachsenden Sehnsucht nach Gott.

Seine Frau Dorothea spürt das Ringen ihres Mannes. Seinem Wunsch, sich von der Familie zu trennen um ganz für Gott zu leben, steht sie zunächst entsetzt gegenüber. In vielen gemeinsamen Gebeten, in gemeinsamen Stunden und Gesprächen beginnen beide den Willen Gottes zu verstehen. Dorothea webt ihrem Mann ein Pilgergewand und willigt damit in seinen Wunsch ein. Niklaus wird nie wieder auf seinen Hof zurückkehren.

Auf seiner Pilgerschaft lässt er sich zur Nachtruhe vor den Toren Liestals nieder. In der Nacht hat er eine Vision, in deren Folge er in Richtung seiner Heimat umkehrt. Nahe von Sachseln, nur wenige hundert Meter von seinem Hof entfernt, lässt er sich im Ranft nieder. Bald schon kommen die ersten Besucher – sicher, dass sie dort einen verrückt gewordenen Niklaus antreffen, schließlich hat er seine Familie verlassen und nimmt keine Nahrung mehr zu sich. Aber sie merken: dieser Mann ist einer von uns, er versteht uns, er kennt unsere Sorgen und Nöte – und er kann uns helfen, eine Lösung für Probleme zu finden. Schon bald wird er Bruder Klaus genannt, Menschen von nah und fern suchen bei ihm Trost und Halt. Mit seinen Ratschlägen schlichtet Bruder Klaus immer wieder Streitereien und mahnt um Frieden in der Gesellschaft.

Und Dorothea? Sie ist mit der Pilgerschaft ihres Mannes einverstanden – und dennoch überrascht, dass er sich doch so nah der gemeinsamen Heimat niederlässt. In seiner Klause besucht sie ihn viele Male, sie sind in ihrem tiefen Glauben und in Gesprächen vereint.

 

Sehnsucht nach Gott

 

Zeitlebens spürt Bruder Klaus eine tiefe Sehnsucht nach Gott. Früh schon macht er sich auf die Suche nach dem Einig Wesen. Für ihn ist diese Suche ein langer und keinesfalls einfacher Weg. Das Einig Wesen zu finden, bedeutet zunächst in Abgeschiedenheit zu leben, innere Prozesse zu begreifen und sich ihnen zu öffnen – auch wenn sie schmerzen. So kann man am Ende mit Gott eins werden. Diese Suche nach dem Einig Wesen spiegelt sich im gesamten Leben des Bruder Klaus wider: Bereits als Jugendlicher zieht er sich an einsame Orte zurück, um Gott in der Natur nahe zu sein. Später, mit dem Verlassen seiner Familie, lässt er sich ganz auf seine Beziehung zu Gott in seinem Glauben ein.

 

Seine Visionen

 

Visionen sind es, die Bruder Klaus immer wieder den Weg leiten, ihm weltliche und geistliche Impulse geben. So beispielsweise während er als Richter in der Gemeinde tätig ist: Wenn bei den Verhandlungen falsch geurteilt wird, so sieht er aus den Mündern der Richter feurige Flammen hervorfahren. Die Vision zeigt Bruder Klaus, wie schwierig es ist, mit Macht gut umzugehen.

Seinem Beichtvater Heimo Amgrund vertraut er an, dass er bereits im Mutterleib eine solche Vision hatte. Darin sah er einen Stern und einen Felsen. Er interpretierte den Stern als das Licht, das er in die Welt bringen sollte, und den Stein als Fels in der Brandung – er solle wie ein Fels in der Brandung stehen, Menschen sollen bei ihm Halt finden.

Die einzelnen Visionen, wie sie im Bruder-Klaus-Visionenweg dargestellt werden, werden in den kommenden Ausgaben vorgestellt. Viele von ihnen hat Bruder Klaus gegenüber seinen Beichtvätern, seinen Söhnen und Freunden interpretiert. Dabei sind die Visionen heute genauso aktuell wie zur Zeit des Bruder Klaus. Sie bieten Halt und Ratschläge – und sie fordern uns auf, uns mit dem eigenen Sein, dem eigenen Leben zu beschäftigen. Denn Bruder Klaus erkennt: Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann Frieden stiften.

 

Und für die Stefanus-Gemeinschaft?

 

1953 wurde Bruder Klaus neben dem heiligen Stephanus zum Schutzpatron der Stefanus-Gemeinschaft ernannt.

Alfred Lange, der Gründer der Gemeinschaft, war tiefbewegt von einer Pilgerfahrt nach Sachseln zurückgekehrt, die er auf Anregung von Pfarrer Bernhard Zieger unternahm. Beide sind sich einig, dass es für die Gemeinschaft neben ihrem Schutzpatron auch einen Heiligen für die aktuelle Zeit benötigt: Bruder Klaus mit seinen Visionen und Fragen an die Menschen. Die Stefanus-Gemeinschaft ist eine geistliche Gemeinschaft und eine Laiengemeinschaft. Auch deshalb ist der Laie, der sich ganz zu Gott hingibt, Bruder Klaus ein besonders geeigneter Schutzpatron. Auch für den Wunsch von Alfred Lange, dass sich Stefanusfreunde in Politik und Gesellschaft engagieren, ist Bruder Klaus ein Vorbild – schließlich hat sich der Heilige vielfältig in Politik und Gesellschaft engagiert.

 

 

 

Weitere Informationen:

www.bruder-klaus-visionenweg.com

www.bruderklaus.com

www.mehr-ranft.ch